Wohnwagenreifen auswählen: Tragfähigkeit und Reifenalter
09.10.2026
Beim Wohnwagenreifen zählen die zur Belastung und Geschwindigkeit passende Bereifung, ein ausreichender Lastindex und das Produktionsdatum. Für die Tempo-100-Zulassung gelten zudem besondere Alters- und Geschwindigkeitsvorgaben.
Zuerst die passenden Daten aus den Papieren holen
Ein Wohnwagenreifen muss nicht nur auf die Felge passen. Reifengröße und Bauart müssen auch zu den Betriebsbedingungen des Caravans passen – besonders zur Belastung und zur vorgesehenen Höchstgeschwindigkeit. Genau diesen Grundsatz legt § 36 StVZO fest ([Gesetzestext](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html)). Prüfen Sie daher vor dem Kauf die Reifenangaben und die eingetragene beziehungsweise freigegebene Bereifung in den Fahrzeugunterlagen. Kaufen Sie nicht allein nach dem optischen Eindruck eines alten Reifens oder danach, dass die Dimension „ähnlich“ aussieht. Stimmen Sie eine abweichende Dimension oder Bauart erst mit einer fachkundigen Stelle ab.
Lastindex: nicht nach Bauchgefühl entscheiden
Der Lastindex (LI) ist die Zahl in der Reifenkennzeichnung, die angibt, welche maximale Last ein einzelner Reifen tragen kann. Der Fülldruck beeinflusst ebenfalls die Tragfähigkeit: Halten Sie deshalb den für den Caravan und seine Beladung vorgegebenen Druck ein. Die zulässige Achslast ist ein sinnvoller Prüfmaßstab: Bei zwei Reifen auf einer Achse muss deren Tragfähigkeit zusammen mindestens zur zulässigen Achslast passen. Das ADAC-Beispiel macht die Auswahl greifbar: Bei 1.240 kg Achslast entfallen rechnerisch 620 kg auf jeden der beiden Reifen. LI 91 steht dort für 615 kg und reicht damit nicht ([ADAC-Erklärung zum Lastindex](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifenkauf/lastindex/)). Das ist ein Rechenweg, kein Freibrief, beliebige Reifen zu montieren: Der Lastindex ist nur eine von mehreren Anforderungen. Prüfen Sie die Lasten in den Fahrzeugpapieren sowie die zugelassene Reifendimension und Geschwindigkeit. Berücksichtigen Sie, dass Ausstattung und Gepäck die tatsächliche Caravan-Beladung verändern können; überschreiten Sie weder zulässige Achslast noch Reifenfreigabe. Wenn Sie die tatsächliche Beladung nicht kennen, lassen Sie den voll beladenen Anhänger wiegen und vergleichen Sie die Werte achsweise. Die Beispielrechnung ersetzt keine Prüfung von Freigaben oder Vorgaben des Fahrzeugherstellers.
DOT-Code lesen – auch beim Ersatzrad
Das Reifenalter steht auf der Flanke. Suchen Sie nach der vierstelligen Datumsgruppe der DOT-Kennzeichnung: Die ersten beiden Ziffern geben die Produktionswoche an, die letzten beiden das Produktionsjahr. Steht dort beispielsweise 1823, bedeutet das Woche 18 des Jahres 2023. Kontrollieren Sie jeden Reifen einzeln, einschließlich des Ersatzrads, denn dieser kann ein anderes Produktionsdatum haben. Ein guter Profilzustand allein verrät nicht, wann der Reifen hergestellt wurde. Der ADAC beschreibt die Zuordnung der Ziffern im [Ratgeber zum Reifenalter](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifenkauf/reifenalter/).
Tempo 100: Sechs Jahre sind eine Bedingung der Ausnahme
Für eine Wohnwagenkombination mit Tempo-100-Zulassung gilt eine besondere Vorgabe: Die Reifen des Anhängers müssen zum Zeitpunkt jeder Fahrt jünger als sechs Jahre sein und mindestens Geschwindigkeitskategorie L (120 km/h) aufweisen. Das steht in § 3 der [Neunten Ausnahmeverordnung zur StVO](https://www.gesetze-im-internet.de/stvoausnv_9/__3.html). Der maßgebliche Zeitpunkt ist also nicht die nächste Hauptuntersuchung, sondern die Fahrt selbst. Diese Sechs-Jahres-Regel ist nicht mit einer allgemeinen Altersgrenze für alle Anhängerreifen gleichzusetzen. Der ADAC weist darauf hin, dass es ansonsten keine allgemeine gesetzliche Grundlage zum Reifenalter gibt ([ADAC-Ratgeber](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifenkauf/reifenalter/)). Das bedeutet nicht, dass jeder ältere Reifen automatisch sicher ist: Alter, sichtbare Schäden und der Zustand gehören zur Sicherheitsprüfung. Wer die Tempo-100-Zulassung nutzt, muss die engere Vorgabe erfüllen; wer sie nicht nutzt, sollte trotzdem jeden Reifen auf Zustand und passende Tragfähigkeit prüfen.
Kurze Kauf- und Saisonkontrolle
Vor der Bestellung können Sie die Auswahl in vier Schritten absichern: (1) Papiere und vorhandene Reifenkennzeichnung auf Dimension, Bauart und Geschwindigkeit abgleichen. (2) Achslast prüfen und den erforderlichen LI für jeden Reifen ermitteln; nicht auf einen niedrigeren Index ausweichen. (3) DOT-Daten aller Reifen einschließlich Ersatzrad notieren. (4) Bei Tempo 100 sicherstellen, dass die Reifen am Fahrtag jünger als sechs Jahre und mindestens mit L markiert sind. Notieren Sie die DOT-Woche und das Jahr am besten zusammen mit dem geplanten nächsten Prüftermin. So fällt die Tempo-100-Frist nicht erst bei der Abfahrt auf. Bei Unsicherheit über eine alternative Dimension, eine höhere Tragfähigkeitsvariante oder die Fahrzeugfreigabe sind die Fahrzeugunterlagen und eine Reifenfachwerkstatt die bessere Grundlage als eine bloße Annahme.